Montag, 23. Juni 2014

Auszug Nathalia

Mensch
My knowing of it haunts me, I’m haunted, and I know I should be afraid. This made my lack of faith in this beautiful life.
Ich hasste sie. Ich hasste sie alle. Alle zusammen, die sie alle glücklich waren, und Glück hatten in allem was sie taten. Von Gott geküsst. Dass ich nicht lache. Es gab keinen Gott. Für mich nicht. Ich hatte lange an einen Gott geglaubt, hatte gebetet, jede Nacht. Fühlte mich sicher, solange ich an ihn glaubte. Solange ich daran glaubte, dass er mich vor allem Unglück bewahren würde. Und das glaubte ich wirklich. Bis ich jede Nacht wach in meinem Bett lag und mir die Augen ausheulte. Ich wollte fliegen, fliegen wie die anderen Engel. Nicht zu hoch, aber auch ich wollte etwas von dem göttlichen Glück haben, das uns Menschen so glücklich macht. Ich wollte, dass meine Gebete erhört würden, dass ich auch nur ein Mal bekam, was ich mir wünschte. Aber was ich mir wünschte, das bekamen immer andere. Selbst wenn die es sich nicht wünschten. Nach meinem Unfall glaubte ich an Gott. Schon davor, aber da ganz besonders. Wie durch ein Wunder hatte ich keine bleibenden Schäden davongetragen, war gesund und munter, meine Mutter beachtete mich und auch meine Freunde leisteten mir Gesellschaft. Aber dann ließ das alles nach. Meine Mutter war wieder ganz die Alte, meine Freunde wandten sich immer weiter von mir ab, da ich nicht cool genug für sie war. Die Menschen in die ich mich verliebte waren immer die Falschen gewesen. Wenn ich mir etwas von ganzem Herzen wünschte, bekam es jemand anderes, und meist musste ich ihm dabei zusehen. Es war schrecklich. Immer mehr fing ich an zu glauben, dass ich irgendetwas Falsches getan hatte, dass Gott verärgert hatte und er mich so nicht glücklich werden ließ. Bis ich anfing zu glauben, dass es diesen Gott gar nicht gab. Ich hatte nichts Falsches getan, im Gegenteil. Mein ganzes Leben hatte ich versucht, immer das Richtige zu tun, ich war moralisch, lieb, nett, half immer wenn man mich brauchte und gab keine Widerworte. Und trotzdem hatte ich mein Leben lang Pech. Seitdem ich das alles aufgegeben hatte und mir meine eigenen Regeln machte, nicht mehr damit beschäftigt war, irgendeinem Gott zu gefallen, ging es mir besser. Viel besser. Ich hatte viele Freunde um mich, meine Mutter war mir egal, ich lernte mein Pech zu ignorieren, und selber zu handeln, statt mich auf einen Gott zu verlassen.
            „Ich freu mich für dich!“, schnurrten sie.
Sie alle, dieses verlogene Volk. Niemand von ihnen freute sich für sie. Sie freuten sich nur für sich selbst. Dass sie jetzt etwas Neues hatten, das sie in den Dreck ziehen konnten. Worüber sie sich lustig machen konnten. Worüber sie schimpfen konnten. Niemand von ihnen freute sich, wenn jemand anderem etwas Gutes passiert ist. Niemand.
Auch ich freute mich nicht. Natürlich nicht. Wieso auch? Mal wieder war das passiert, was eigentlich ständig passierte. Womit ich eigentlich hätte rechnen müssen. Die Bitch hatte schon wieder meinen Traumprinzen bekommen. Ich konnte es einfach nicht fassen. Ich konnte nichts sagen, mich nicht bewegen, ich konnte nicht einmal weinen. Hilflos musste ich mit ansehen, wie sie ihr alle gratulierten, und sie strahlend in die verlogenen Gesichter sah. Wie konnte man mir das nur antun. Es gab auf gar keinen Fall einen Gott. So eine Ungerechtigkeit würde kein Gott zulassen.
Die Traube verlogener Menschen verdichtete sich, sodass ich ihr Gesicht nicht mehr sehen konnte. Das löste meine Trance. Wie benebelt drehte ich mich um und ging meinen Weg. Ich wusste nicht wohin, aber ich wusste, dass ich so schnell wie möglich hier weg wollte. Weg von all dem geheuchelten Glück. Langsam löste sich meine Trauer in Wut auf. Wie konnte er nur? Hatte er etwa immer noch nicht begriffen, was ich für ihn fühlte? War ich so abstoßend, dass er es auf gar keinen Fall mit mir versuchen wollte? Was fand er an ihr? Das konnte keine wahre Liebe sein. Niemals. Dafür spielten sie beide zu gut.
Automatisch glitt meine Hand in meine Hosentasche, um mein Handy herauszuholen. Auch die folgende Nachricht tippte ich automatisch ein, ich schaute nicht mal auf das Display.
Wieso sind Menschen nur so verdammt scheiße?
Es sah mir nicht ähnlich, mich bei Dennis auszuheulen, er sollte nichts von meiner täglichen Scheiße abbekommen. Aber ich konnte nicht anders.
„Weil sie nicht weiterdenken.“
Entsetzt drehte ich mich um. Im ersten Moment hatte ich gehofft, Dennis hinter mir zu sehen, aber noch im selben Moment wusste ich, dass das nicht möglich war. Stattdessen blickte ich in Miku’s Gesicht. Ich drehte mich wieder um und ging weiter.
„Was machst du denn hier?“, fragte ich leise.
„Ich pass auf dich auf“, antwortete er.
Ich schnaubte. „Hättest du dann nicht verhindern sollen, dass die Bitch meinen Prinzen bekommt?!“
„Vielleicht ist er ja nicht dein Prinz.“
„Das kannst du nicht wissen“, fauchte ich.
„Nein. Wissen kann ich es nicht. Aber ich fühle es. Thalia, hör doch! Dieses Arsch ist nicht dein Prinz! Das kann niemals sein! Du sagst, ich hätte verhindern müssen, dass dein Prinz eine andere küsst? Wäre er wirklich dein Prinz, würde er niemals eine andere als dich küssen wollen.“
Ich schluckte. Irgendwo hatte er ja Recht. Aber auch Prinzen sind mal verwirrt, oder? Vielleicht muss er ja erst herausfinden, wer seine wahre Prinzessin ist?
„Und wag es ja nicht, ihn jetzt auch noch zu verteidigen! Ich weiß, was du denkst, Thalia, hör auf damit! Er hat es einfach nicht verdient, dass du wegen ihm so traurig bist.“

„Aber ich kann doch nichts dafür!“, schrie ich ihn an, „Ich kann mich doch nicht entscheiden, was ich fühle, und was nicht! Und ich fühle was für ihn, eindeutig! Ich war mir lange nicht sicher, was es war, ob ich ihn wirklich liebe, oder ihn nur für den Moment interessant finde. Und ich weiß es immer noch nicht. Aber ich weiß, dass es mir verdammt wehtut, ihn mit einer anderen zu sehen! Und daran kann man nun mal nichts ändern! Weder ich noch du!“

Samstag, 15. März 2014

Kapitel 1-5

Kapitel 1-5 sind hochgestellt, allerdings ist Kapitel 5 noch nicht ganz fertig.