Mensch
My knowing of it haunts me, I’m haunted, and I know I
should be afraid. This made my lack of faith in this beautiful life.
Ich hasste sie. Ich
hasste sie alle. Alle zusammen, die sie alle glücklich waren, und Glück hatten
in allem was sie taten. Von Gott geküsst. Dass ich nicht lache. Es gab keinen
Gott. Für mich nicht. Ich hatte lange an einen Gott geglaubt, hatte gebetet,
jede Nacht. Fühlte mich sicher, solange ich an ihn glaubte. Solange ich daran
glaubte, dass er mich vor allem Unglück bewahren würde. Und das glaubte ich
wirklich. Bis ich jede Nacht wach in meinem Bett lag und mir die Augen
ausheulte. Ich wollte fliegen, fliegen wie die anderen Engel. Nicht zu hoch,
aber auch ich wollte etwas von dem göttlichen Glück haben, das uns Menschen so
glücklich macht. Ich wollte, dass meine Gebete erhört würden, dass ich auch nur
ein Mal bekam, was ich mir wünschte. Aber was ich mir wünschte, das bekamen
immer andere. Selbst wenn die es sich nicht wünschten. Nach meinem Unfall glaubte
ich an Gott. Schon davor, aber da ganz besonders. Wie durch ein Wunder hatte
ich keine bleibenden Schäden davongetragen, war gesund und munter, meine Mutter
beachtete mich und auch meine Freunde leisteten mir Gesellschaft. Aber dann
ließ das alles nach. Meine Mutter war wieder ganz die Alte, meine Freunde
wandten sich immer weiter von mir ab, da ich nicht cool genug für sie war. Die
Menschen in die ich mich verliebte waren immer die Falschen gewesen. Wenn ich
mir etwas von ganzem Herzen wünschte, bekam es jemand anderes, und meist musste
ich ihm dabei zusehen. Es war schrecklich. Immer mehr fing ich an zu glauben,
dass ich irgendetwas Falsches getan hatte, dass Gott verärgert hatte und er
mich so nicht glücklich werden ließ. Bis ich anfing zu glauben, dass es diesen
Gott gar nicht gab. Ich hatte nichts Falsches getan, im Gegenteil. Mein ganzes
Leben hatte ich versucht, immer das Richtige zu tun, ich war moralisch, lieb,
nett, half immer wenn man mich brauchte und gab keine Widerworte. Und trotzdem
hatte ich mein Leben lang Pech. Seitdem ich das alles aufgegeben hatte und mir
meine eigenen Regeln machte, nicht mehr damit beschäftigt war, irgendeinem Gott
zu gefallen, ging es mir besser. Viel besser. Ich hatte viele Freunde um mich,
meine Mutter war mir egal, ich lernte mein Pech zu ignorieren, und selber zu
handeln, statt mich auf einen Gott zu verlassen.
„Ich freu mich für dich!“,
schnurrten sie.
Sie alle, dieses
verlogene Volk. Niemand von ihnen freute sich für sie. Sie freuten sich nur für
sich selbst. Dass sie jetzt etwas Neues hatten, das sie in den Dreck ziehen
konnten. Worüber sie sich lustig machen konnten. Worüber sie schimpfen konnten.
Niemand von ihnen freute sich, wenn jemand anderem etwas Gutes passiert ist.
Niemand.
Auch ich freute
mich nicht. Natürlich nicht. Wieso auch? Mal wieder war das passiert, was
eigentlich ständig passierte. Womit ich eigentlich hätte rechnen müssen. Die
Bitch hatte schon wieder meinen Traumprinzen bekommen. Ich konnte es einfach
nicht fassen. Ich konnte nichts sagen, mich nicht bewegen, ich konnte nicht
einmal weinen. Hilflos musste ich mit ansehen, wie sie ihr alle gratulierten,
und sie strahlend in die verlogenen Gesichter sah. Wie konnte man mir das nur
antun. Es gab auf gar keinen Fall einen Gott. So eine Ungerechtigkeit würde
kein Gott zulassen.
Die Traube
verlogener Menschen verdichtete sich, sodass ich ihr Gesicht nicht mehr sehen
konnte. Das löste meine Trance. Wie benebelt drehte ich mich um und ging meinen
Weg. Ich wusste nicht wohin, aber ich wusste, dass ich so schnell wie möglich
hier weg wollte. Weg von all dem geheuchelten Glück. Langsam löste sich meine
Trauer in Wut auf. Wie konnte er nur? Hatte er etwa immer noch nicht begriffen,
was ich für ihn fühlte? War ich so abstoßend, dass er es auf gar keinen Fall
mit mir versuchen wollte? Was fand er an ihr? Das konnte keine wahre Liebe
sein. Niemals. Dafür spielten sie beide zu gut.
Automatisch glitt
meine Hand in meine Hosentasche, um mein Handy herauszuholen. Auch die folgende
Nachricht tippte ich automatisch ein, ich schaute nicht mal auf das Display.
Wieso
sind Menschen nur so verdammt scheiße?
Es sah mir nicht
ähnlich, mich bei Dennis auszuheulen, er sollte nichts von meiner täglichen
Scheiße abbekommen. Aber ich konnte nicht anders.
„Weil sie nicht
weiterdenken.“
Entsetzt drehte ich
mich um. Im ersten Moment hatte ich gehofft, Dennis hinter mir zu sehen, aber
noch im selben Moment wusste ich, dass das nicht möglich war. Stattdessen
blickte ich in Miku’s Gesicht. Ich drehte mich wieder um und ging weiter.
„Was machst du denn
hier?“, fragte ich leise.
„Ich pass auf dich
auf“, antwortete er.
Ich schnaubte. „Hättest
du dann nicht verhindern sollen, dass die Bitch meinen Prinzen bekommt?!“
„Vielleicht ist er
ja nicht dein Prinz.“
„Das kannst du
nicht wissen“, fauchte ich.
„Nein. Wissen kann
ich es nicht. Aber ich fühle es. Thalia, hör doch! Dieses Arsch ist nicht dein
Prinz! Das kann niemals sein! Du sagst, ich hätte verhindern müssen, dass dein
Prinz eine andere küsst? Wäre er wirklich dein Prinz, würde er niemals eine
andere als dich küssen wollen.“
Ich schluckte.
Irgendwo hatte er ja Recht. Aber auch Prinzen sind mal verwirrt, oder?
Vielleicht muss er ja erst herausfinden, wer seine wahre Prinzessin ist?
„Und wag es ja
nicht, ihn jetzt auch noch zu verteidigen! Ich weiß, was du denkst, Thalia, hör
auf damit! Er hat es einfach nicht verdient, dass du wegen ihm so traurig bist.“
„Aber ich kann doch
nichts dafür!“, schrie ich ihn an, „Ich kann mich doch nicht entscheiden, was
ich fühle, und was nicht! Und ich fühle was für ihn, eindeutig! Ich war mir
lange nicht sicher, was es war, ob ich ihn wirklich liebe, oder ihn nur für den
Moment interessant finde. Und ich weiß es immer noch nicht. Aber ich weiß, dass
es mir verdammt wehtut, ihn mit einer anderen zu sehen! Und daran kann man nun
mal nichts ändern! Weder ich noch du!“